Abel
Wenn wir lesen, dass die Söhne Adams, Kain und Abel, Gott ein Opfer darbrachten, dann denken wird nicht, dass das etwas Besonderes war.
Doch wir dürfen nicht übersehen, dass Kain und Abel etwas taten, das zuvor noch kein anderer getan hatte!
Wir lesen nicht, dass Adam dem Herrn ein Opfer dargebracht hat – und das, obwohl er 930 Jahre alt wurde (1.Mose 5,3-4).
Seine Söhne taten also etwas, für das sie kein Vorbild hatten!
Was mag sie dazu bewogen haben?
Da wir immer davon ausgehen müssen, dass Gott uns nicht fern ist, war er auch den Söhnen Adams nicht fern!
Weil beide Söhne wussten, was ihre Eltern getan hatten und warum sie alles verloren hatten, was Gott ihnen zugedacht hatte, musste auch in ihren der Wunsch nach Gemeinschaft mit ihrem Schöpfer lebendig gewesen sein.
Uns wird berichtet: „Abel wurde Schäfer, Kain aber wurde ein Ackersmann. Es begab sich aber nach etlicher Zeit, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick“ (1.Mose 4,2-5).
Warum Gott das Opfer Abels gnädig ansah, das Opfer Kains aber verwarf, lässt nur einen Schluss zu: Weil „der Herr das Herz ansieht“ (1.Sam.16,7), wusste ER genau, was Kain und Abel dazu bewogen hatte, IHM Opfer darzubringen!
Daran aber, dass Kain und Abel Gott sehr unterschiedliche Gaben opferten, entzündete sich ein heftiger Streit – nicht im Herzens Abels, doch im Herzen seines Bruders.
Der erste Streit also, von dem die Bibel berichtet, entzündete sich an der Frage: Welche Opfer gefallen Gott, und wie will ER, dass man IHN anbetet?
Warum sah der Herr das Opfer Abels gnädig an?
Abel wusste, dass Gott, der Herr, seinen Eltern Kleider aus Fellen gemacht und sie ihnen angezogen hatte, um ihre Nacktheit zu bedecken!
Zwangsläufig war dabei Blut geflossen, das Blut von Tieren, deren Felle nun die Blöße des Menschen bedeckte!
In seinem Verlangen, Gott nahe zu sein, muss Abel das Herz Gottes berührt und diese Wahrheit erkannt habe: „Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung“ (Hebr.9,22).
Und das geschah danach viele Jahrhunderte lang: Menschen opferten Tiere und vergossen deren Blut und hofften so, dass Gott ihre Schuld bedecken möge.
Abel konnte nicht wissen, dass ein Tag kommen würde, an dem Gott selbst „ein Opfer ersehen würde“ (1.Mose 22,8) – ein „unschuldiges und unbeflecktes Lamm“ (1.Petr.1,19), auf das ER die Sünde der ganzen Welt legen würde (Jh.1,29).
Beachten sollten wir auch, dass Abel dem Herrn nicht irgendein Schaf opferte: „Er brachte dem Herrn von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett“ (1.Mose 4,4).
Abel konnte nicht wissen, dass der Herr Jahrhunderte später zu Mose sagen würde: „Alle männliche Erstgeburt unter dem Vieh gehört dem Herrn“ (2.Mose 13,12).
Und: „Alles Fett ist für den Herrn“ (3.Mose 3,16).
Das Opfer Abels erinnert an das Opfer, das Jesus Christus dargebracht hat: ER war „der Erstgeborene vor allen Kreaturen“ (Kol.1,15), „der Erstgeborene einer neuen Schöpfung“ (1.Kor.15,47-49), und „der Erstgeborene unter vielen Brüdern“ (Röm.8,29)
Der Menschensohn Jesus war und ist aber auch der, der alles verkörpert, was Gott liebt!
Egal, was Jesus sagte, nie waren SEINE Worte „mager“ – belanglos, banal, ohne Gewicht und innere Fettigkeit!
Sie waren Geist und Leben!
Jesus war und ist das vollkommene Opfer, auf dem Gottes ganzes Wohlgefallen ruht (Mt.3,17; 17,5).
Das Opfer, das Abel Gott darbrachte, lässt uns zweifelsfrei erkennen, auf welche Weise Gott angebetet werden will!
ER will, dass wir uns IHM durch Jesus Christus nahen!
ER will, dass unser Gebet vom Wohlgeruch Christi durchdrungen ist!
ER will, dass wir IHM dafür danken, dass ER Jesus zu unsere Weisheit, unserer Gerechtigkeit, unserer Heiligung und unserer Erlösung gemacht hat (1.Kor.1,30).
Jesus ist „das Fett“, das unsere Gebet mit Leben, Licht und Wahrheit erfüllt!
Der Ort, an dem wir Gott anbeten, ist unser wiedergeborener Geist, denn als Jesus der samaritischen Frau erklärte, wie und auf welche Weise Gott angebetet werden will, sagte ER: „Gott ist Geist, und die IHN anbeten, die müssen IHN im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Jh.4,24).
Das Opfer aber, durch welches wir uns Gott nahen und das IHM wohlgefällig ist, ist Jesus Christus, SEIN geliebter Sohn!
Sobald wir unser Herz Jesus zuwenden und SEINEN Namen anrufen, beten wir Gott im Geist und in der Wahrheit an!
Sobald wir uns an Jesus erfreuen, beten wir Gott im Geist und in der Wahrheit an!
Sobald wir Christus in unsren Herzen erheben, IHN loben, preisen, rühmen und IHM danken, beten wir den Vater im Geist und in der Wahrheit an!
Sobald wir Worte der Wahrheit aussprechen und mit unserem Mund bekennen, beten wir Gott im Geist und in der Wahrheit an!
Unser Gott und Vater will nicht, dass wir IHM opfern, was wir selbst erarbeitet haben!
Wird sich unser himmlischer Vater über einen Sohn freuen, der in seinem Ärger das Vaterhaus nicht betreten will und IHN nicht einmal Vater nennt?
Oder wird ER sich über den Sohn freuen, der, nachdem er seinen Mangel erkannt hat, nach Hause geeilt ist und IHN um Vergebung bittet?
Wer wird empfangen können, was ihm der Vater frei und umsonst schenken will?
Dem, der sich jeden Tag anstrengt, durch harte Arbeit das Wohlgefallen des Vaters zu erlangen?
Oder dem, der nichts zu bringen hat, weil er alles verloren hat, was er besaß, und nun hungrig und von sich selbst enttäuscht, vor IHM steht?
Welche Opfer gefallen Gott?
„Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten“ (Ps.51,19).
Was lernen wir, wenn wir das Leben Abels im Lichte Gottes betrachten?
Im Leben Abels erfüllte sich eine Verheißung, die der Herr durch den Mund Jeremias ausgesprochen hat: „Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“ (Jer.29,13-14).
Weiter erkennen wir, dass unser geistliches Leben, das Leben in und durch Christus, kein Leben in Mühsal und mit Schweiß ist, sondern ein Leben im Glauben.
Wir glauben, dass Gott uns in SEINEM Sohn alles geschenkt hat, was IHM wohlgefällt und was ER in unserem Leben zu sehen begehrt (Röm.8,32).
Wir müssen nicht hart an uns arbeiten, um zu besseren Menschen zu werden!
Weil Christus „eine ewige Erlösung vollbracht hat“ (Hebr.9,12) und der „alte Mensche“ mit IHM gestorben ist und mit IHM begraben wurde (Röm6,4+8), können wir „ausziehen und ablegen“ (Kol.3,9-10), was Gott nicht gefällt und „den neuen Menschen anziehen, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph.4,22+24).
Wir müssen uns nicht mehr abmühen, Gebote und Satzungen zu erfüllen, weil Jesus sie längst erfüllt hat und sie nun – als „der Geist des Lebens“ – in uns erfüllt (1.Kor.15,45b; Röm.8,3; Gal.5,18).
Das Opfer, das Abel dem Herrn brachte, lässt uns auch dieses erkennen: Was uns vor Gott angenehm macht, sind nicht unsere Gebete, nicht unsre guten Werke, nicht unsre Frömmigkeit – Gottes Wohlgefallen ruht einzig und allein auf Jesus Christus – SEINEM Sohn!
IHN sollen wir hören (Mk.9,7).
Zu SEINEN Füßen sollen wir sitzen (Lk.10,39).
IHN sollen wir vor den Augen anderer Menschen erhöhen (Jh.3,14-15).
Auf IHM sollen unsere Augen ruhen (Hebr.12,2).
Seine Herrlichkeit sollen wir betrachten – an jedem Ort und zu jeder Zeit (2.Kor.3,18).
Wenn wir das Leben Abels betrachten, dann erkennen wir auch, dass, weil wir in einer Welt leben, „die in dem Bösen liegt“ (1.Jh.5,19 Elberfeld), „alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, Verfolgung erleiden werden“ (2.Tim.3,12 Elberfeld), so wie Abel den Hass seines Bruders erfuhr, weil Gott ihm Gnade geschenkt hatte!
Doch während sein Blut bis zum heutigen Tag nach Vergeltung schreit (Hebr.12,24), ruft das Blut Jesu zur Versöhnung auf, und weil Gottes Zorn gestillt ist, schafft es Vergebung und Frieden (Jes.53,5; Röm.5,1).